Dauer einer Privatinsolvenz - 3, 5 oder 6 Jahre?

Dauer einer Privatinsolvenz – 3, 5 oder 6 Jahre?

Das Wort Privatinsolvenz ist in weiten Teilen der Gesellschaft ein eher negativ besetzter Begriff. Gerade wenn es sich um eine Zahlungsunfähigkeit handelt, die unverschuldet zustande gekommen ist, z.B. durch Arbeitslosigkeit oder einen Unfall, sollte jedermann dankbar sein, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, eine Verbraucherinsolvenz anzumelden. Denn jede Privatperson kann in einen Teufelskreis von Schulden geraten.

Die Privatinsolvenz bietet privaten Schuldnern die Möglichkeit, ihre Verbindlichkeiten komplett zu tilgen. Dass viele Personen die Chance auf einen finanziellen Neuanfang tatsächlich ergreifen, verdeutlicht die Statistik. Im Jahr 2016 gingen knapp 80.000 in die Insolvenz. Viele Schuldner stellen sich die Frage, wie lange eine Privatinsolvenz dauert … Hier finden Sie die Antworten!

Seit 2014 schneller schuldenfrei

Geregelt ist das Verbraucherinsolvenzverfahren in der „Insolvenzordnung vom 5. Oktober 1994 (BGBl. I S. 2866). Bezüglich der Dauer einer Privatinsolvenz ist die zweite Insolvenzrechtsreform vom 1. Juli 2014 sehr wichtig.

Denn im Zuge dieser Reform ist es heutzutage möglich, eine Restschuldbefreiung unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach fünf Jahren oder sogar drei Jahren zu erreichen. (Info: Für alle vor diesem Stichtag eingereichten Privatinsolvenzverfahren gilt diese Gesetzesreform nicht).

Die Gesetzesänderung ermöglicht ebenfalls eine sofortige Restschuldbefreiung unter der Voraussetzung, dass der Schuldner alle Forderungen sowie sämtliche Verfahrenskosten sofort begleicht. Dieser sehr seltene Fall könnte z.B. bei einer Erbschaft oder einem Lottogewinn eintreten, aber auch wenn kein Gläubiger eine Forderung anmeldet.

Option 1: Privatinsolvenz Dauer = drei Jahre

Gemäß § 300 Abs. 1 Ziffer 2 der Insolvenzverordnung kann die Dauer des Verfahrens auf drei Jahre verkürzt werden, sofern

  • bereits 35 % der Forderungen aller Gläubiger beglichen und
  • die Kosten des Insolvenzverfahrens bezahlt wurden.

Option 2: Privatinsolvenz Dauer = fünf Jahre

Wer nach fünf Jahren schuldenfrei sein möchte, muss zumindest die Kosten für Gericht und Insolvenzverwalter beglichen haben. Die Höhe der Verfahrenskosten sind dabei abhängig von den Gesamtschulden.

Option 3: Privatinsolvenz Dauer = sechs Jahre

Sechs Jahre sind die ursprüngliche Dauer einer Privatinsolvenz, d.h. nach diesem Zeitraum entscheidet eine Gericht über die Restschuldbefreiung. Sie wird dann ausgesprochen, wenn sich der Schuldner während der Wohlverhaltensphase an alle Vereinbarungen gehalten hat. Verstöße gegen die Obliegenheiten können der Schuldenfreiheit im Wege stehen.

Drei Jahre schaffen nur die Wenigsten

Unsere eigene Einschätzung deckt sich mit einer Studie der Wirtschaftsberatung Crif Bürgel, die Anfang 2018 veröffentlicht wurde: Nur ein geringer Anteil der Schuldner schafft die „Express-Privatinsolvenz“. In der Zeit von 2014 bis 2017 waren es nur 8%, die innerhalb von drei Jahren 35% ihrer Schulden sowie die Verfahrenskosten bezahlen und frühzeitig in ein schuldenfreies Leben starten konnten.

 

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