PRIVATINSOLVENZ: VORTEILE UND NACHTEILE

PRIVATINSOLVENZ: VORTEILE UND NACHTEILE

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Sind Sie bereits zahlungsunfähig? Wachsen Ihnen die Schulden scheinbar unaufhaltsam über den Kopf? Eine Einigung mit Ihren Gläubigern ist unmöglich? Dann kann die Insolvenz Ihre beste Chance auf eine schuldenfreie Zukunft sein!

Problem: Schulden - Lösung: Privatinsolvenz / Figur steht vor einem Scheideweg

Ihre Vorteile

Die Privatinsolvenz hat nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus psychischer Sicht viele Vorteile. Waren sie vorher dem Druck Ihrer Gläubiger und den Vollstreckungsversuchen von Gerichtsvollziehern ausgeliefert, können Sie nun Ihre Geschicke wieder weitestgehend selbst bestimmen. Da der Partner, die Familie und Freunde häufig mit leiden, werden auch sie entlastet.

Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens beginnt Ihre Entschuldung. Durch die festgelegten „Spielregeln“ ist von Anfang an klar, wann Sie Ihre Schulden abgetragen haben. Übrigens zahlen viele Schuldner vor dem Insolvenzverfahren oftmals mehr Geld an ihre Gläubiger, als sie es aus rechtlicher Sicht eigentlich müssten. Auch das ist nun vorbei.

Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, gilt der Pfändungsschutz. Ab sofort ist es Ihren Gläubigern verboten, eine Zwangsvollstreckung durchzuführen. So bleibt Ihr pfändungsfreies Einkommen unangetastet. Ohne Verbraucherinsolvenz dürfen Ihre Gläubiger 30 Jahre lang bei Ihnen pfänden.

Zudem ist eine vorzeitige Restschuldbefreiung möglich. So können Sie bereits nach fünf oder drei Jahren schuldenfrei sein. Wenn Sie in diesem Zeitraum 35 Prozent der Schulden sowie die Verfahrenskosten beglichen haben, endet das Verfahren nach 3 Jahren. Wenn Sie die Verfahrenskosten komplett begleichen, erfolgt die Befreiung von Ihren Schulden nach fünf Jahren. Andernfalls sind Sie nach sechs Jahren schuldenfrei.

Vorteile im Überblick

Sie …

  • haben die Aussicht auf ein schuldenfreies Leben nach maximal 6 Jahren.
  • können bereits nach 3 oder 5 Jahren schuldenfrei sein.
  • genießen mit Insolvenzeröffnung Pfändungsschutz. Daher sind Lohnpfändungen oder Kontopfändungen durch Gläubiger (und Gerichtsvollzieher) nicht mehr möglich.
  • werden durch Pfändungsfreigrenzen geschützt. Ihr Existenzminimum ist gesichert.
  • müssen nicht mehr direkt mit Ihren Gläubigern kommunizieren.
  • erhalten keine „bösen Briefe“ mehr, z.B. Mahnungen oder Vollstreckungsbescheide.
  • wissen genau, wie hoch Ihre monatlichen Ausgaben sind. So gewinnen Sie schnell ein Stück Selbstbestimmung zurück.
  • dürfen Verträge beenden und müssen die Kündigungsfrist nicht beachten. Eine Insolvenz ist quasi ein Sonderkündigungsrecht. Das hilft Ihnen beim „Ausmisten“.
  • können in Ihrer Wohnung bleiben. Ihr Vermieter darf Ihnen nicht kündigen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine Privatinsolvenz gewöhnlich ohne größere Probleme durchlaufen wird. Wenn andere das schaffen, schaffen Sie das auch!

Ihre Nachteile

Sie können die Insolvenz nicht vor Ihrem Arbeitgeber geheim halten. Schließlich zahlt er das pfändbare Einkommen an den Insolvenzverwalter.

Es gibt auch Schulden, von denen Sie nach der Restschuldbefreiung nicht befreit werden. Dazu gehören Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubter Handlung. Dementsprechend bleiben z.B. Schulden wegen Betrugs sowie Bußgelder und andere Strafgelder bestehen.

Das in Deutschland relativ langwierige Verfahren geht für den Verbraucher zudem mit Einschränkungen und Auflagen einher. Sämtliche Finanzen müssen offengelegt werden und das Vermögen wird verpfändet. Sie dürfen u.a. nicht vergessen, dem Verwalter Ihren Wohnorts- oder Arbeitsplatzwechsel mitzuteilen.

Es wird erwartet, dass Sie sich um ein Einkommen bzw. einen Job bemühen. Ein weiterer Nachteil der Privatinsolvenz ist die schlechte Bonität (und ein niedriger Schufa-Score), wodurch die Kreditwürdigkeit sinkt. Dadurch kann es schwer werden, Kredite bzw. Kreditkarten zu bekommen.

Letzten Endes ist dies allerdings in den meisten Fällen ohnehin bereits eingetreten und die Nachteile der Privatinsolvenz sind weniger einschneidend, als es gerade klingen mag.

Zu guter Letzt könnten Sie es als Nachteil empfinden, dass jedes Insolvenzverfahren veröffentlicht wird. Seit 2002 kann man über die Website Insolvenzbekanntmachungen.de eine entsprechende Namensliste einsehen.

Nachteile im Überblick

  • Es bleibt Ihnen monatlich “nur” der pfändungsfreie Betrag des Nettoeinkommens. Den Rest überweisen Sie an den Treuhänder.
  • Sie müssen ggf. Einschränkungen im Konsumverhalten hinnehmen. Der Abschluss von Ratenkrediten ist i.d.R. nicht möglich.
  • Die Vermögensbestandteile, die Sie nicht zwingend zum Leben benötigen, verwertet der Insolvenzverwalter. Dazu kann u.U. auch Ihr Auto gehören.
  • Das Insolvenzverfahren wird öffentlich gemacht (Insolvenzbekanntmachungen.de). Dritte könnten also erfahren, dass Sie sich in der Privatinsolvenz befinden.
  • Ihr Arbeitgeber weiß über Ihre Privatinsolvenz bescheid. Da Abläufe in der Lohnbuchhaltung und zusätzliche Arbeit nötig ist, sind viele Arbeitgeber nicht begeistert. Zwar ist die Insolvenz kein Kündigungsgrund, aber in Sachen Probezeit und Jobsuche sicherlich kein Vorteil.
  • Wenn Sie eine neue Wohnung suchen, Verträge wechseln oder einen Kredit beantragen möchten, ist das aufgrund der schlechten Bonität (geringe Kreditwürdigkeit) nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
  • Sie dürfen in der Wohlverhaltensphase nicht gegen die 5 Obliegenheiten verstoßen. Dazu gehört eine große Portion Selbstdisziplin.
  • Falls Sie arbeitslos sind, müssen Sie sich in ausreichendem Maße um einen Job bemühen.
  • Einige Schulden verschwinden nicht durch ein Privatinsolvenzverfahren, z.B. Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubten Handlungen. Dazu zählen u.a. Betrug, sowie Bußgelder und Strafgelder.
  • Sie bekommen einen negativen Schufa-Eintrag, der erst drei Jahre nach der Restschuldbefreiung gelöscht wird. Das bremst den finanziellen Neuanfang etwas.
  • Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Insolvenzverfahren in Deutschland immer noch ein langwieriger Prozess, der mit viel Bürokratie einhergeht.

Rechtsanwalt Oliver Schulz über die wichtigsten Vorteile und Nachteile einer Privatinsolvenz!

Fazit: Die Vorteile überwiegen!

Der wichtigste Vorteil einer Privatinsolvenz ist der, dass Sie anschließend komplett schuldenfrei sind. Sie können bei Null anfangen und haben wieder eine echte Perspektive. Nach drei bis sechs Jahren – unabhängig von der Schuldensumme – haben Sie keine Schulden mehr.

Fazit - Vorteile überwiegen / Figur mit großer Lupe

Sie müssen keine Besuche vom Gerichtsvollzieher oder überraschende Pfändungen befürchten. Das Existenzminimum ist gesichert. Außerdem fällt es Ihnen wieder leichter, den Überblick über Ihre Finanzen zu behalten.

Da viele Nachteile auch ohne Insolvenzverfahren auftreten und die Gefahr besteht, dass die Situation unter finanziellen, psychischen und sozialen Gesichtspunkten noch weiter außer Kontrolle geraten kann, ist es bei hohen Schulden häufig die richtige Entscheidung, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und ggf. einen Insolvenzantrag zu stellen.

Die Privatinsolvenz kann auf jeden Fall ein finanzieller Rettungsring sein!

 

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