Im Gegensatz zur Regelinsolvenz besteht im Privatinsolvenzverfahren keine Anwaltspflicht. In der Regel sind Schuldner aber gut beraten, dennoch anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Bereits die Antragstellung auf Insolvenzeröffnung gestaltet sich recht kompliziert. Unabsichtlich gemachte falsche Angaben und nicht angemeldete Vermögenswerte können sogar zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.
Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht vertritt Ihre Interessen und begleitet Sie durch das gesamte Verfahren.
Das Wichtigste – kurz & knapp
- Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht vertritt im Privatinsolvenzverfahren die Interessen des Schuldners.
- Der Rechtsanwalt unterstützt Schuldner beim außergerichtlichen Einigungsversuch und stellt bei dessen Scheitern die nötige Bescheinigung gemäß § 305a Insolvenzordnung aus.
- Aufs Insolvenzrecht spezialisierte Anwälte begleiten Schuldner durch das gesamte Insolvenzverfahren, von der Antragstellung bis zur Restschuldbefreiung.
Privatinsolvenz: Welcher Anwalt steht Ihnen bei?
Bei länger anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten ist der Gang zu einer Schuldnerberatungsstelle sinnvoll. Öffentliche und gemeinnützige Beratungsstellen bieten oft kostenlose Hilfestellung.
Steht eine Privatinsolvenz im Raum, sollten Sie allerdings einen kompetenten Fachanwalt für Insolvenzrecht zurate ziehen. Diese Rechtsanwälte sind auf das komplizierte deutsche Insolvenzrecht spezialisiert und kennen sich mit den Fallstricken im Verfahren aus.
Suchen Sie nach einem geeigneten Rechtsbeistand für das Insolvenzverfahren, achten Sie auf Referenzen und Meinungen von Mandanten. Die Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn ein Vertrauensverhältnis zwischen Schuldner und Anwalt besteht.
Rechtsanwalt für Privatinsolvenz: Diese Leistungen können Sie erwarten
Geraten Sie in finanzielle Schwierigkeiten, sollten Sie möglichst früh einen Anwalt für Insolvenzrecht aufsuchen. Kompetente Rechtsanwälte beraten Sie nämlich nicht erst, wenn die Verbraucherinsolvenz bereits unabwendbar ist, sondern zeigen Ihnen auch alternative Wege zur Schuldenbereinigung auf.
Für gewöhnlich läuft die anwaltliche Beratung in den folgenden Schritten ab:
1. Erstberatung
Zu Beginn steht das kostenlose Erstgespräch, das nach Anfrage des Schuldners meist telefonisch geführt wird.
2. Analyse der finanziellen Situation
Anhand Ihrer Unterlagen analysiert der die anwaltliche Schuldnerberatung Ihre finanzielle Situation und empfiehlt Ihnen den individuell besten Weg zur Schuldensanierung. Je früher Sie die Beratung in Anspruch nehmen, umso mehr Spielraum haben Sie.
3. Außergerichtlicher Einigungsversuch
Die Insolvenzordnung sieht vor, dass Schuldner eine außergerichtliche Einigung mit ihren Gläubigern anstreben, bevor sie Insolvenz anmelden können (§ 305a InsO). Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht übernimmt diesen Schritt für Sie. Er kontaktiert die Gläubiger und versucht, einen Schuldenvergleich zu erwirken. Nehmen alle Gläubiger den Vergleich an, kann die Insolvenz abgewendet werden.
Falls der Versuch einer scheitert, kann der Fachanwalt die benötigte Bescheinigung nach § 305 InsO ausstellen.
4. Insolvenzantrag
Scheitert die außergerichtliche Einigung, steht der Weg in das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren offen. Ihr Rechtsanwalt unterstützt Sie nun bei der Antragstellung.
5. Insolvenzverfahren
Auf die Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens folgt eine dreijährige Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit müssen sich Schuldner an gewisse Pflichten halten.
Erfüllen Sie die Voraussetzungen, steht am Ende der Wohlverhaltensphase die Restschuldbefreiung. Ein Fachanwalt für Insolvenzrecht steht Ihnen auch während dieser Phase zur Seite und berät Sie zu Ihren Rechten und Pflichten.
Vorteile der anwaltlichen Beratung im Insolvenzverfahren
Obwohl für die Verbraucherinsolvenz keine Anwaltspflicht besteht, bietet der anwaltliche Beistand doch einige Vorteile:
- Sie erhalten eine professionelle Einschätzung Ihrer finanziellen Situation anhand Ihres Einkommens, Vermögens und aktueller Schuldenstände.
- Der Rechtsanwalt unterstützt Sie bei der Kontaktaufnahme mit den Gläubigern.
- Er übernimmt den Versuch einer außergerichtlichen Einigung.
- Scheitert der außergerichtliche Vergleich, erhalten Sie direkt die Bescheinigung, die Sie für den Antrag auf Privatinsolvenz benötigen.
- Ihr Anwalt übernimmt die Antragstellung und begleitet Sie im Anschluss durch das gesamte Verfahren. Dazu gehört auch die Kommunikation mit dem zuständigen Gericht und dem Insolvenzverwalter.
Rechtsanwalt für Privatinsolvenz: Wie hoch sind die Kosten?
Als Nachteil der anwaltlichen Insolvenzberatung kann angesehen werden, dass dadurch Kosten entstehen. Allgemeine Aussagen zur Höhe des Honorars lassen sich nicht treffen, da dieses von der individuellen Situation abhängt. Ein seriöser Rechtsanwalt wird Ihnen aber im Vorfeld alle Kosten offenlegen und Ratenzahlungen ermöglichen.
Für die außergerichtliche Vertretung können Sie außerdem einen Antrag auf Beratungshilfe stellen. Ansprechpartner ist das zuständige Amtsgericht an Ihrem Wohnort. Dort müssen Sie durch geeignete Unterlagen nachweisen, dass Sie die Anwaltskosten nicht selbst tragen können.
Wird Ihrem Antrag stattgegeben, erhalten Sie einen Beratungshilfeschein und tragen lediglich einen Eigenanteil von 15 Euro. Doch Achtung: Die Kosten für die Vertretung vor Gericht müssen Sie weiterhin selbst übernehmen!
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Oliver Schulz ist seit 2010 Rechtsanwalt und hat sich als Fachanwalt auf das Rechtsgebiet Insolvenzrecht spezialisiert. Mit seiner Kanzlei Schulz & Partner führt er seit 2012 die Schuldnerberatung Schulz, die in mehreren deutschen Städten ansässig ist und Schuldnern dabei hilft, ihre Schulden durch einen außergerichtlichen Vergleich, eine Regelinsolvenz oder eine Privatinsolvenz loszuwerden und finanziell neu durchzustarten. Er ist u.a. Mitglied im HAV (Hamburgischer Anwaltverein e.V.) und im Norddeutschen Insolvenzforum Hamburg e.V.. Als ausgewiesener Experte gibt er Interviews, z.B. bei RTL Direkt (zum Thema SchuldnerAtlas 2023). Außerdem ist er als Gastautor aktiv, z.B. auf Unternehmer.de.


