Foto für den Blogartikel "Kredit nach der Privatinsolvenz?". Auf dem Foto ist ein Ausschnitt aus einem Lexikon zu sehen, in dem das Wort "Bonität" fett und rot hervorgehoben ist. Darunter steht die Definition "Maßstab für die Kreditwürdigkeit".

Kredit nach der Privatinsolvenz?

Sie haben die Privatinsolvenz erfolgreich hinter sich gebracht, die Restschuldbefreiung erhalten und können nun wirtschaftlich wieder durchstarten. Bald treten jedoch erneute Zahlungsschwierigkeiten auf und Sie benötigen einen Kredit.

Zu welchen Problemen kann es bei der Kreditaufnahme kommen? Welche Alternativen gibt es? Hier finden Sie Antworten.

Das Wichtigste – kurz & knapp

  • Bis Sie nach der Privatinsolvenz wieder kreditwürdig sind, dauert es einige Monate. Daten zur Restschuldbefreiung speichert die Schufa nämlich sechs Monate lang.
  • Verfügen Sie über ein geregeltes Einkommen und haben keine hohen Schulden aufgenommen, erhalten Sie eventuell auch früher einen Kredit.
  • Die Aufnahme eines Hauskredits gestaltet sich besonders schwierig. Unter gewissen Umständen ist die Eigenheimfinanzierung per Hypothek oder Grundschuld möglich.

Kredit nach der Privatinsolvenz – welche Schwierigkeiten gibt es?

Endet das Privatinsolvenzverfahren mit der Restschuldbefreiung, sind Sie Ihre Insolvenzschulden los. Informationen zur Restschuldbefreiung bleiben allerdings sechs Monate lang bei der Schufa gespeichert, bei anderen Wirtschaftsauskunfteien bis zu drei Jahre lang.

Das hat Auswirkungen auf Ihre Kreditwürdigkeit: Deutsche Banken sind von Gesetz wegen verpflichtet, die Bonität ihrer Kunden zu überprüfen (§ 505a Abs. 1 BGB). Zu diesem Zweck holen sie unter anderem Auskünfte bei den Wirtschaftsauskunfteien ein – und erfahren so von Ihren vergangenen Zahlungsschwierigkeiten.

Aufgrund der gerade erst durchlaufenen Privatinsolvenz schätzen Banken das Ausfallrisiko für den Kredit als zu hoch ein. Benötigen Sie dringend ein Darlehen, lässt sich die Bank unter Umständen überzeugen, wenn Sie ein geregeltes Einkommen nachweisen können und seit der Privatinsolvenz keine nennenswerten Schulden mehr gemacht haben.

Alternativ können Sie der Bank einen Bürgen als Sicherheit vorweisen. Sprechen weitere in der Schufa hinterlegte Daten jedoch gegen Ihre Kreditwürdigkeit, wird die Bank den Kreditantrag höchstwahrscheinlich ablehnen.

Übrigens: Eine versagte Restschuldbefreiung bleibt für drei Jahre bei der Schufa gespeichert. Da die Verbindlichkeiten des Schuldners fortbestehen und von den Gläubigern eingetrieben werden können, wird sich kaum eine Bank finden, die in diesem Fall einen Kreditantrag stattgibt.

Baufinanzierung nach der Privatinsolvenz

Wenn Sie nach der Privatinsolvenz den Wunsch haben, ein Haus zu bauen, wird die Suche nach einer passenden Finanzierung noch schwieriger als bei „normalen“ Krediten. Aufgrund der Kredithöhe gehen Banken bei der Vergabe von Baufinanzierungen besonders vorsichtig vor. Werden die Kreditnehmer erneut zahlungsunfähig, drohen den Geldinstituten hohe Verluste.

Bessere Chancen haben Sie, wenn Sie nicht neu bauen, sondern ein Eigenheim mit Grundstück erwerben und eine Hypothek oder Grundschuld aufnehmen. Das empfiehlt sich aber auch nur, wenn Sie Ihren Verbindlichkeiten langfristig nachkommen können.

Kredit nach Restschuldbefreiung: Meistens keine gute Idee

In den meisten Fällen ist es keine gute Idee, direkt nach der absolvierten Privatinsolvenz einen neuen Kredit aufzunehmen. Nicht nur gestaltet sich die Suche nach einem Kreditgeber schwierig, es besteht auch die Gefahr, dass Sie sich wieder finanziell übernehmen und in die Schuldenfalle abrutschen.

Der Schuldenabbau wird dann eventuell kompliziert: Eine erneute Privatinsolvenz ist nämlich erst elf Jahre nach erfolgter Restschuldbefreiung möglich (siehe § 287a InsO).

Benötigen Sie Geld für dringende Anschaffungen, weil etwa die Waschmaschine kaputt ist oder das Familienauto repariert werden muss, ist es besser, nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Vielleicht können Verwandte oder Freunde aushelfen. Oder Sie können sich das benötigte Gerät für einen begrenzten Zeitraum leihen.

Mit der Aufnahme eines Kredits sollten Sie mindestens die sechs Monate bis zur Löschung der Restschuldbefreiung aus der Schufa abwarten. Diese Zeit können Sie nutzen, um Ihre finanziellen Verhältnisse weiter zu ordnen und, wenn möglich, etwas Geld anzusparen.

Geraten Sie kurz nach der Restschuldbefreiung wieder in finanzielle Schwierigkeiten, sollten Sie möglichst früh professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wir beraten Sie gerne und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Schulden loswerden.

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Foto: SBH / stock.adobe.com

Schuldnerberatung Schulz: Foto von Oliver Schulz (Rechtsanwalt / Fachanwalt für Insolvenzrecht)
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Oliver Schulz ist seit 2010 Rechtsanwalt und hat sich als Fachanwalt auf das Rechtsgebiet Insolvenzrecht spezialisiert. Mit seiner Kanzlei Schulz & Partner führt er seit 2012 die Schuldnerberatung Schulz, die in mehreren deutschen Städten ansässig ist und Schuldnern dabei hilft, ihre Schulden durch einen außergerichtlichen Vergleich, eine Regelinsolvenz oder eine Privatinsolvenz loszuwerden und finanziell neu durchzustarten. Er ist u.a. Mitglied im HAV (Hamburgischer Anwaltverein e.V.) und im Norddeutschen Insolvenzforum Hamburg e.V.. Als ausgewiesener Experte gibt er Interviews, z.B. bei RTL Direkt (zum Thema SchuldnerAtlas 2023). Außerdem ist er als Gastautor aktiv, z.B. auf Unternehmer.de.

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