Die Anzahl der in Deutschland angemeldeten Privatinsolvenzen steigt auf den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Das geht aus dem aktuellen Schuldenbarometer 2025 des Informationsdienstleisters CRIF hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 107.816 Privatinsolvenzen registriert – ein Anstieg von 7,8 Prozent im Vergleich zu 2024. Betroffen sind vor allem junge Erwachsene und Senioren.
Hohe Lebenshaltungskosten, begrenzte Einkommen
Gründe für die zunehmende Anzahl an Privatinsolvenzen sieht CRIF vor allem in den steigenden Lebenshaltungskosten, etwa für Energie und Lebensmittel, denen begrenzte Einkommen gegenüberstehen. Selbst Haushalte mit doppeltem Einkommen haben Probleme, laufende Verbindlichkeiten wie Miete, Strom oder Kredit- und Ratenzahlungen zuverlässig zu decken. Die grundsätzlich hohe Sparbereitschaft der deutschen Verbraucher reicht vielfach nicht aus, um die Mehrkosten aufzufangen.
Besonders hoch ist das Insolvenzrisiko für Personen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, befristeten oder unsicheren Beschäftigungsverhältnissen nachgehen oder arbeitslos sind.
Diese Faktoren führen zu der höchsten Zahl an angemeldeten Privatinsolvenzen in zehn Jahren. Im Jahr 2021 lag die Anzahl der angemeldeten Verfahren zwar noch höher, nämlich bei 109.032 Fällen, dies lässt sich allerdings auf einen einmaligen Sondereffekt zurückführen: Zum 1. Januar 2021 trat das verkürzte Privatinsolvenzverfahren mit einer Wohlverhaltensphase von nur noch drei statt sechs Jahren in Kraft. Viele Verbraucher hielten daher 2025 ihre Insolvenzanmeldung zurück und stellten erst 2021 einen Antrag auf Verfahrenseröffnung.
Welche Ursachen führen zur Privatinsolvenz?
Die Hauptursachen für Privatinsolvenzen haben sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht verändert. Die meisten Anmeldungen gehen auf die folgenden Gründe zurück:
- Arbeitslosigkeit oder geringes Einkommen
- Trennung, Scheidung oder Tod des Lebenspartners
- gescheiterte Selbstständigkeit
- gesundheitliche Probleme
- übersteigertes Konsumverhalten
Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt laut Schuldenbarometer bei rund 15.000 Euro.
Vor allem junge Erwachsene und Senioren betroffen
Mit Blick auf die Altersstruktur der insolventen Verbraucher fällt auf, dass sich insbesondere bei den jungen Erwachsenen und den Senioren ein starker Anstieg der Insolvenzanmeldungen verzeichnen lässt. In der Altersgruppe der 18- bis 20-jährigen ist die Zahl der Privatinsolvenzen um 52,6 Prozent gestiegen, bei den 21- bis 30-jährigen um 28,6 Prozent. Junge Menschen, die am Anfang ihres Erwerbslebens stehen, haben noch keine ausreichende finanzielle Widerstandskraft aufgebaut. Laut Schuldenbarometer nutzen sie zudem häufig Ratenkäufe und „Buy now, pay later“-Angebote. Aufgrund fehlender Rücklagen können sie die Raten irgendwann nicht mehr begleichen.
Bei Verbrauchern über 61 Jahren ist die Zahl der angemeldeten Privatinsolvenzen um 10,6 Prozent gestiegen. Den Senioren machen dem Schuldenbarometer zufolge vor allem steigende Miet- und Energiekosten, der Tod des Partners sowie stagnierende oder sinkende Renten zu schaffen.
Bremen ist Schuldenhochburg
Im Jahr 2025 kommen bundesweit auf 100.000 Einwohner 127 Privatinsolvenzen. Die regionalen Unterschiede sind jedoch groß, mit deutlich höheren Fallzahlen im Norden Deutschlands als im Süden.
Schuldenhochburg unter den Bundesländern ist, wie bereits im Vorjahr, Bremen mit 201 Fällen auf 100.000 Einwohner. Es folgen Hamburg mit 177 Fällen und Niedersachsen mit 172 Fällen. Die geringste Anzahl an Privatinsolvenzen per Einwohner weisen Bayern und Thüringen auf, mit je 86 Fällen auf 100.000 Einwohner. Gemessen in absoluten Zahlen kommt Bayern allerdings auf 11.579 Privatinsolvenzen und liegt hinter Nordrhein-Westfalen (25.864 Fälle) und Niedersachsen (14.024 Fälle) auf Platz 3.
Den stärksten Anstiegt an Privatinsolvenzen verzeichnet das Saarland (+21,8 Prozent). In Baden-Württemberg stiegt die Zahl der Privatinsolvenzen um 17,0 Prozent, in Sachsen um 14,4 Prozent. Ein leichter Rückgang der Fallzahlen lässt sich In Thüringen (-5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (-3,4 Prozent), Bremen (-3,3 Prozent) und Berlin (-2,0 Prozent) beobachten.
Für das laufende Jahr rechnet CRIF nicht mit einer Entspannung der Situation. Aktuell geht der Informationsdienstleister von 110.000 Privatinsolvenzen in 2026 aus.
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Oliver Schulz ist seit 2010 Rechtsanwalt und hat sich als Fachanwalt auf das Rechtsgebiet Insolvenzrecht spezialisiert. Mit seiner Kanzlei Schulz & Partner führt er seit 2012 die Schuldnerberatung Schulz, die in mehreren deutschen Städten ansässig ist und Schuldnern dabei hilft, ihre Schulden durch einen außergerichtlichen Vergleich, eine Regelinsolvenz oder eine Privatinsolvenz loszuwerden und finanziell neu durchzustarten. Er ist u.a. Mitglied im HAV (Hamburgischer Anwaltverein e.V.) und im Norddeutschen Insolvenzforum Hamburg e.V.. Als ausgewiesener Experte gibt er Interviews, z.B. bei RTL Direkt (zum Thema SchuldnerAtlas 2023). Außerdem ist er als Gastautor aktiv, z.B. auf Unternehmer.de.


