Privatinsolvenzen in Deutschland von 1999 bis 2019

Privatinsolvenzen in Deutschland von 1999 bis 2019

Seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 gibt es auch für private Verbraucher die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines Verbraucherinsolvenzverfahrens von (nahezu) allen Schulden zu befreien. Zunächst dauerte eine Privatinsolvenz sechs Jahre. Seit der Insolvenzrechtsreform können Schuldner das vereinfachte Insolvenzverfahren auch in fünf oder sogar drei Jahren durchlaufen.

Insolvenz wird leider häufig als Makel bewertet

In den ersten Jahren wurde dieses Instrument von Privatpersonen noch relativ zögerlich in Anspruch genommen. Spätestens seit 2004/2005 kann man aber von einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz sprechen.

Leider ist der Begriff Insolvenz in Deutschland tendenziell noch negativ behaftet. Wer „pleite“ ist, gilt für einige als Versager. Dabei kann die Gesellschaft froh sein, dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, in geordneten Bahnen Schulden loszuwerden. Schließlich ist niemand vor finanziellen Problemen sicher. Das sollte spätestens angesichts der Corona-Krise jedem klar sein.

Anzahl der Insolvenzverfahren als Gradmesser für die wirtschaftliche Lage

Die Zahl der Privatinsolvenzen hat sich auch als guter Gradmesser für den Zustand der deutschen Wirtschaft etabliert. Rund um die Finanzkrise / Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2007 und 2008 wurden bislang die meisten Insolvenzanträge gestellt. Den Höchststand erreichten die Verbraucherinsolvenzen im Jahr 2010 mit 108.798 Verfahren. Seitdem befinden sich die Zahlen im Sinkflug (siehe Grafik).

Quelle: Statistisches Bundesamt

Leider müssen wir uns darauf einstellen, dass die Zahlen aufgrund der Corona-Krise wieder steigen werden. Wie stark der Anstieg ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie lange der – aus gesundheitlicher Sicht sehr sinnvolle – wirtschaftliche Stillstand dauert und ob die staatlichen Hilfen ausreichen, um die Folgen abzumildern.

 

Photo by Denise Jans on Unsplash

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