Foto für den Blogartikel "Schuldneratlas 2025: Zahl der Überschuldungsfälle steigt erstmals seit 2018". Auf dem Foto sieht man ein Vergrößerungsglas über Balken- und Kreisdiagrammen auf hellblauem Hintergrund, das die Analyse von Finanzdaten im Schuldneratlas 2025 symbolisiert.

Schuldneratlas 2025: Zahl der Überschuldungsfälle steigt erstmals seit 2018

Die lang erwartete negative Trendwende ist eingetroffen: Erstmals seit 2018 steigt die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland wieder an. Das geht aus dem Schuldneratlas 2025 hervor, einem jährlichen Report der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Demnach sind aktuell 5,67 Millionen Haushalte verschuldet, 111.000 mehr als im Vorjahr. Besonders stark zugenommen hat die Zahl der Überschuldungsfälle in Nordrhein-Westfalen.

Das Wichtigste – kurz & knapp

  • Die Zahl der Überschuldungsfälle in Deutschland steigt 2025 auf 5,67 Millionen.
  • Die Überschuldungsquote wächst um 0,07 Prozent an und liegt nun bei 8,17 Prozent.
  • Rund 40 Prozent aller neuen Überschuldungsfälle kommen aus Nordrhein-Westfalen.
Grafik Schuldneratlas 2025: Kernergebnisse

Harte und weiche Überschuldung steigen

Zum ersten Mal seit 2017 steigt die Zahl der harten und weichen Überschuldungsfälle gleichermaßen an. Als harte Überschuldungsfälle bezeichnet man Fälle, die juristische Folgen wie Vollstreckungsverfahren nach sich ziehen. Als weiche solche mit geringerer Überschuldungsintensität.

Die Zahl der harten Fälle ist um 39.000 oder 1,2 Prozentpunkte gestiegen, die Zahl der weichen Fälle hat sich um 72.000 oder 3,0 Prozentpunkte erhöht.

Die Überschuldungsquote 2025 verzeichnet derweil einen vergleichsweise geringen Anstieg um 0,07 Prozentpunkte und liegt bei 8,17 Prozent. Das lässt sich jedoch auf eine deutliche Zunahme der Personen über 18 Jahren zurückführen. Bei gleichbleibender Bevölkerungszahl läge die Überschuldungsquote bei 8,25 Prozent.

Grafik Schuldneratlas 2025: Überschuldungsprozess

Wer überschuldet sich?

Wie Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform mitteilt, sind mittlerweile auch eigentlich gut situierte Haushalte von Überschuldung betroffen, da sie ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzen.

Dazu gehören etwa die Schuldnertypen der „Lifestyle-Überschuldeten“, deren Gruppe um 20.000 Fälle angewachsen ist, und die „Überschuldungspragmatiker“, deren Zahl um 18.000 Personen zugelegt hat.

In diese Gruppen fallen Menschen mit mittlerem bis hohem Einkommen, die sich nach Jahren des Verzichts wieder etwas leisten wollen. Hantzsch macht vor allem die große Nachfrage nach „Buy now, pay later“-Produkten für die Überschuldung dieser Gruppen verantwortlich.

Grafik Schuldneratlas 2025: Überschuldungstypologie

Gestiegen ist allerdings auch die Zahl der „Notfall-Überschuldeten“, und zwar um 33.000 Fälle. Die finanziellen Rücklagen dieser Gruppe reichen nicht aus, um unvorhergesehene Ausgaben zu decken.

Gut zu wissen: Ab dem 20. November 2025 treten schärfere Regeln für „Buy now, pay later“-Angebote und Kleinkredite in Kraft. Bereits für Summen unter 200 Euro müssen Anbieter dann die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden prüfen. Das soll Verbraucher vor unbedachten Ausgaben schützen.

Steigende Überschuldungsquote in allen Altersgruppen

Aufgeschlüsselt nach demografischen Kriterien zeigt sich, dass die meisten Überschuldungsfälle nach wie vor auf die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen entfallen. Zum ersten Mal seit 2016 steigt für diese Altersgruppe auch die Überschuldungsquote, nämlich um 0,01 Prozent.

Den höchsten Zuwachs an Überschuldungsfällen verzeichnen allerdings die Altersgruppen der unter 30-Jährigen (+ 19.000 Fälle, +2,6 Prozent) und der über 60-Jährigen (+24.000 Fälle, +3,4 Prozent). Ältere Verbraucher würden besonders stark unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden, so die Analyse.

NRW verzeichnet den stärksten Zuwachs an Überschuldungsfällen

Der Schuldneratlas 2025 analysiert auch die Schuldensituation in den einzelnen Bundesländern. Ein positiver Trend lässt sich nur in Mecklenburg-Vorpommern beobachten, wo die Zahl der überschuldeten Personen um 1.000 Fälle zurückgeht. Während die Zahl in Brandenburg und Thüringen nahezu konstant bleibt, verzeichnet alle anderen Bundesländer einen Anstieg.

Besonders hoch fällt dieser in NRW aus: Fast 40 Prozent aller neuen Überschuldungsfälle (+44.000) gehen auf dieses Bundesland zurück. Die Überschuldungsquote legt um 0,21 Prozentpunkte von 9,58 auf 9,79 Prozent zu. In Bremen verschlechtert sich die Quote sogar um 0,30 Prozentpunkte und liegt nun bei 12,11 Prozent.

Creditreform geht davon aus, dass sich der negative Trend in den nächsten Jahren fortsetzt und noch verschärft. Grund dafür seien steigende Zinsen und hohe Lebenshaltungskosten, die einem schwachen Arbeitsmarkt gegenüberstehen.

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Foto: pattozher / stock.adobe.com, Grafiken: creditreform.de

Schuldnerberatung Schulz: Foto von Oliver Schulz (Rechtsanwalt / Fachanwalt für Insolvenzrecht)
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Oliver Schulz ist seit 2010 Rechtsanwalt und hat sich als Fachanwalt auf das Rechtsgebiet Insolvenzrecht spezialisiert. Mit seiner Kanzlei Schulz & Partner führt er seit 2012 die Schuldnerberatung Schulz, die in mehreren deutschen Städten ansässig ist und Schuldnern dabei hilft, ihre Schulden durch einen außergerichtlichen Vergleich, eine Regelinsolvenz oder eine Privatinsolvenz loszuwerden und finanziell neu durchzustarten. Er ist u.a. Mitglied im HAV (Hamburgischer Anwaltverein e.V.) und im Norddeutschen Insolvenzforum Hamburg e.V.. Als ausgewiesener Experte gibt er Interviews, z.B. bei RTL Direkt (zum Thema SchuldnerAtlas 2023). Außerdem ist er als Gastautor aktiv, z.B. auf Unternehmer.de.

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